Freiwilligenarbeit

Förderung der Freiwilligenarbeit

Zur  regionalen  Förderung der Freiwilligenarbeit in der Altenhilfe hat die Stiftung  über mehrere Jahre bis  2004 einen Preis vergeben.

Festrede zum Anna Luise Altendorf – Preis 2003

Von Claus Lemcke

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Anna Luise Altendorf – Preis wird heute zum 3.Mal vergeben.Dieses Jahr  sind 27 Bewerbungen eingegangen. Vorgeschlagen wurden aktive Einzelpersonen, Gruppen und Gruppenleitungen. Zählen wir die engagierten Menschen, die in den Gruppen mitarbeiten, kommen wir auf ca. 150 Personen, die für den Preis vorgeschlagen wurden, und jeder einzelne hat Anerkennung verdient.

 

Darin liegt eine gewisse Ungerechtigkeit bei Preisvergaben. Um diese Ungerechtigkeit  etwas abzumildern, hat die Stiftung dieses Jahr alle Menschen, die im letzten Jahr vorgeschlagen wurden und nicht gewannen zu einer Feier und anschließend in ein Konzert eingeladen.Gemessen an der Begeisterung und Freude der 40 Gäste war die Veranstaltung ein Riesenerfolg. Und auch in diesem Jahr werden wir wieder alle Nicht–Gewinner und diejenigen, die sie vorgeschlagen haben, einladen, um mit Ihnen zu feiern und ihnen unsere Anerkennung zollen.

Ziel des Preises ist es, dem Ehrenamt und der Freiwilligenarbeit in der Altenhilfe öffentliche Annerkennung zu verschaffen und Menschen, die sich zum Teil seit vielen Jahren mit viel Einsatz engagieren, zu würdigen.

Meine Damen und Herren Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement ist in aller Munde und gerade im sozialen Bereich verbirgt sich dahinter oft die Hoffnung, den Institutionen, deren finanzielles Korsett immer weiter zugezogen wird, etwas Luft zu verschaffen. Wir wissen alle das freiwilligesEngagement natürlich viel mehr bedeutet und ohne freiwilliges Engagement kann kein Gemeinwesen, Institution oder Gruppe dauerhaft bestehen geschweige denn lebendig sein.

In der Altenhilfe und hier im besonderen der stationären Altenhilfe brauchen wir in engagierte Menschen, die in die Einrichtungen gehen und sich jenseits professioneller Pflege und Betreuung um alte, hochbetagte und demenzkranke Menschen kümmern.Und wieder geht es nicht um bloße finanzielle und personelle Entlastung oder Wettbewerbsvorteile.

Ich bin davon überzeugt, dass es bei der Freiwilligenarbeit in der Altenhilfe um viel mehr geht und daher der gezielten Förderung bedarf.

Es geht um die Integration der Schwächsten in unserer Gemeinwesen. Und zwar nicht im Sinne einer reinen Versorgungsmentalität, Bewahrung körperlicher Unversehrtheit und Beschäftigung im isolierten Gruppen. Sondern im Sinne von Teilhabe, Austausch –schlicht– im wirklichen Leben und  damit im Gemeinwesen zu bleiben mit. Diesen Anspruch zu erfüllen, heißt, die Würde des einzelnen, des schwächsten unserer Gesellschaft zu bewahren und zu schützen.Wenn wir die Verpflichtung  die Würde der Schwächsten unserer Gesellschaft zu schützen, ernst nehmen, dann bedeutet das  ganz wesentlich auch, dass der Kontakt und Austausch zu der Lebenswelt, in der sie den größten Teil ihres Lebens verbracht haben, so weit wie möglich zu erhalten und sie nicht davon auszuschließen .Und das heisst ganz lapidar ausgedrückt, wenn die die Menschen so schwach und hilfebedürftig sind , dass sie kaum mehr am sozialen Leben teilhaben können, dann ist es unsere Aufgabe zu ihnen zu gehen und Ihnen Teilhabe nach ihren Fähigkeiten und Wünschen zu ermöglichen und das wirkliche Leben - so weit es irgend geht- in die Einrichtungen zu tragen.

Ein 2. Aspekt ist mir wichtig zu erwähnen.Schließen wir die Schwächsten aus unserer Lebenswelt aus, verdrängen wir Alter, Krankheit und Tod aus unserem Alltag. Es verschieben sich unsere Normen und Werte.  Dies wird uns selbst ärmer werden lassen, weil wir einen Teil unseres Lebens ausgrenzen. Und wir laufen Gefahr, dass unsere Gesellschaft unsozialer wird, weil wir die Schwächsten nicht mehr wahrnehmen und sich damit unsere Maßstäbe immer mehr verschieben. Indizien gibt es dafür. Ich nenne hier nur die Forderungen zur Rationalisierungen von Gesundheitsleistungen für Menschen ab einer definierten Altergrenze als ausschließliches Kriterium.

Alledem wirkt Ehrenamt  und die damit verbundene Öffnung der Alten –und Pflegeheime entgegen.  Und es ist gut das, dass es Träger und Heimleitungen gibt, die Bedingungen schaffen, in der sich eine  lebendige Ehrenamtskultur entfalten kann.Das Engagement der Preisträger und die vielen anderen ehrenamtlich Menschen ist Gewinn weit über die Hilfe für den einzelnen hinaus. 

Ich habe vorhin über die Würde der Schwachen gesprochen  und über deren Bewahrung. Doch  worin liegt eigentlich die Würde des Starken, zu denen Sie meine Damen und Herren und ich gehören.  Was unsere Würde, die Würde der Starken ausmacht, gibt eindringlich  klar und einfach ein Gedenkstein vor einer Behinderteneinrichtung in Norddeutschland wieder, der ich nichts  hinzufügen kann.

Die Würde des Starken, ist der Schutz des Schwachen!

Festrede zum Anna Luise Altendorf – Preis 2004

Von Claus Lemcke 

Liebe Preisträger des Anna-Luise Altendorf-Preises, sehr geehrte Frau Wiegmann, liebe Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Dankersen mit ihrer Lehrerin Frau Steinbeck, sehr geehrte Ehrenamtliche des Altenheimes Hille.

Ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen unserer Stiftung , unserer Stiftungsgründerin Frau Altendorf und der Jury des Anna Luise Altendorf Preises.Wie wichtig eure und ihre Arbeit ist zeigt, dass der Landrat des Kreises Minden-Lübbecke, Herr Krömer, trotz seiner Termindichte gekommen ist, und den ich herzlich begrüße. Ich freue mich auch, den Bürgermeister der Stadt Minden Herrn Buhre und der Gemeinde Hille Herrn Jasper sowie den Ortsvorsteher von Hille Herrn Burmester zu begrüßen.Mein Dank geht an Sie, Herr Tiemann, und ihren Mitarbeiterinnen, die diese Veranstaltung ausgerichtet haben und an die Jury, Herrn Krömer, HerrnBuhre, Herrn Pohl vom Seniorenbeirat der Stadt Minden, Herr Generotzky vom Paritätischenn und Frau Korte, Kreistagsabgeordnete, die sich entschuldigen lässt, Sie aber sehr herzlich grüsst und Ihnen gratuliert. Dank an die Presse, die über unsere Preisverleihung berichtet und die Musikschule Hille, die den musikalischen Rahmen arrangiert hat. Ich freue mich sehr auf eine gelungene Veranstaltung, in der die Preisträger ihre Projekte kurz selbst vorstellen.Dieses Jahr sind mit 12 Bewerbungen deutlich weniger Eingänge zu verzeichnen gewesen als im Jahr zuvor. Vorgeschlagen wurden aktive Einzelpersonen, Schulgruppen und Gruppenleitungen, von denen jeder einzelne Anerkennung verdient.Ziel des Preises ist es, dem Ehrenamt und der Freiwilligenarbeit in der Altenhilfe öffentliche Annerkennung zu verschaffen und Menschen, die sich zum Teil seit vielen Jahren mit viel Einsatz engagieren, zu würdigen.Doch bevor wir die Preisträgerinnnen und Preisträger ehren, lassen Sie mich zuvor einige Gedanken, die mir wichtig sind, über das Ehrenamt, Freiwilligenarbeit oder wie immer Bürgerschaftliches Engagement sonst noch bezeichnet wird, äußern . Meine Damen und Herren,um das Thema Ehrenamt ist es etwas stiller geworden im letzten Jahr. Vielleicht ist das auch ganz gut so, wenn der überbordende Enthusiasmus des Freiwilligenjahres 2001 etwas gedämpft ist und sich stattdessen mehr um die Umsetzung der vielen Ideen und Konzepte gekümmert wird.Schenkt man den statistischen Untersuchungen Glauben, sind zwei Drittel aller Menschen in unserem Land auf irgendeine Art freiwillig engagiert.Allerdings bei genauerer Betrachtung der einschlägigen Zahlen fällt auf, dass nur ein relativ kleiner Teil der Menschen in sozial schwierigen Bereichen aktiv ist. Die stationäre und ambulante Altenhilfe gehört sicherlich zu diesen Bereichen. Doch denken wir an die demografische Entwicklung brauchen wir mehr denn je engagierte Menschen, die sich in notwendiger Ergänzung zu der professionellen und familialen Pflege und Betreuung um alte, hochbetagte und demenzkranke Menschen kümmern.Meine sehr geehrten Damen und Herren,lassen Sie mich einen Bereich der Altenhilfe besonders erwähnen, in dem sich die Notwendigkeit der ehrenamtlichen Arbeit besonders  deutlich wird. Es ist der Bereich der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz.Im Kreis Minden-Lübbecke leben ca. 8500 Menschen mit Demenz. Ca. 5000 von Ihnen leben zu hause und werden von Angehörigen betreut. Betroffen sind also 5000 Familien im Kreis. Ein Drittel wird in Heimen gepflegt. Ihre Pflege und Betreuung stellt für Angehörige und Pflegende eine enorme Belastung dar. Dabei muss gesagt werden, dass die Belastung für Angehörige noch ungleich höher ist, als die für professionell Pflegende. Die Angehörigen, die gleichzeitig der größte und fast kostenlose Pflegedienst bei uns im Land sind, arbeiten oft bis an den Rand der  völligen psychischen und physischen Erschöpfung. Die Folge davon sind oft belastungsbedingte Erkrankungen, Zerfall der Familien und ein Konfliktpotential, das sich nicht selten in Gewalt ausartet. Dabei grenzt es schon fast an ein Wunder und zeigt das enorme  Verantwortungsgefühl und die Belastungsfähigkeit der Angehörigen, dass nicht noch viel mehr passiert. Bei uns im Kreis Minden-Lübbecke hat sich in den letzten zwei Jahren einiges getan.Ich möchte die beiden Landesmodellprojekte Vergissmeinnicht des Diakonischen Werkes Minden und HilDe, Hilfen bei Demenz, des Paritätischen erwähnen. Beide Projekte haben, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten, zum Ziel die ambulante Betreuung von dementiell Erkrankten und deren zum Teil extrem belasteten Angehörigen zu verbessern. Neben Qualifizierungs-, Beratungs- und weiteren Hilfsleistungen gehört die Entlastung der pflegenden Angehörigen durch Ehrenamtliche zu den Schwerpunkten beider Projekte.  Die Gewinnung, Ausbildung und Unterstützung von ehrenamtliche Gesellschafterinnen oder Helferinnen ist in beiden Projekten ein wichtiger Baustein der Konzepte. Dies beginnt mit einer gezielten Bewerbung um Engagierte. Sie müssen geschult und intensiv in ihrer Arbeit betreut werden. Sie müssen Annerkennung erfahren und sie brauchen Hilfe, wenn sie mit schwierigen Situationen konfrontiert werden. Sie brauchen Gruppen und Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können. Ihre Aufwendungen müssen erstattet werden und sie müssen versichert sein.Hier wird also genau das umgesetzt, was die Fachwelt für erfolgreiches und nachhaltiges Ehrenamt für notwendig hält und fordert. Dies alles bedarf von institutioneller Seite einer zielgerichteten Planung, Koordination und Organisation. Unsere Preisträgerin Frau Wiegmann, die als Gesellschafterin tätig ist, kann dies, glaube ich, bestätigen.Für einige der demenzkranken Menschen und deren Angehörige bedeutet dies im Kreis Minden- Lübbecke schon jetzt eine bemerkenswerte Entlastung und Entspannung der häuslichen Situation. Dieses Engagement verzögert oder verhindert auch nachweislich die Unterbringung in einer stationären Einrichtung. Und auch wenn wir hier in einer stationären Einrichtung sind, die sehr bemüht ist, alten Menschen ein zu hause zu geben, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass eine Pflege und Betreuung in den eigenen  vier Wänden mit entsprechenden Unterstützungsangeboten in der Regel einer stationären Versorgung vorzuziehen ist. Und zwar in qualitativer wie in finanzieller Hinsicht.Aber auch im stationären Bereich tut sich einiges. Gerade das DW Minden als größter Anbieter ist sehr darum bemüht, neue Versorgungsformen zu entwickeln, die den Bedürfnissen und der  Zunahme schwerstpflegebedürftiger und demenzkranker Menschen in Heimen gerecht wird. Für den Demenzbereich erinnere ich nur an die Einrichtung dementenhomogener Stationen und Wohngruppen oder an das Pflegeheim Nammen mit einem ganz eigenen Bereich der Betreuung von Demenzkranken. Auch andere Anbieter sind in diesem Bereich aktiv. Dies ist jedoch erst ein Anfang! Es gibt im stationären Bereich noch vieles zu tun. Insbesondere gilt das für die Qualifizierung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen, Integration von Ehrenamtlichen, Belastungsprävention und vielem mehr. Letztlich erfordert es auch den Mut konsequent neue Wege zu gehen.Ehrenamt in Altenheimen ist so vielfältig und reicht von direkter Betreuung von Einzelpersonen bis zu Ihnen, der Café-Gruppe, die mit ihrem Angebot für Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes und der Nachbarschaft die Attraktivität des Hauses  erhöht. Genauso ist das Altenheim ein Ort des sozialen  Lernens für junge Menschen und ich weiß, wie viel Freude Ihr Schüler der Hauptschule Dankersen den  alten Menschen schenkt.

Die Anna Luise Altendorf Stiftung unterstützt diese Bemühungen durch unseren Preis. Die Stiftung ist aber auch in anderen Bereichen aktiv. Sie  engagiert sich für die ambulanten Projekte ideell und finanziell und ist im stationären Bereich im Gespräch mit mehreren Einrichtungen über ein DCM-Projekt. Dementia Care Mapping ist ein Verfahren mit dem festgestellt werden kann, wie sich Demenzkranke fühlen und wie ihre Betreuung verbessert werden kann. Die Einbeziehung von Ehrenamtlichen, Fortbildungsnassnahmen und Begleitung der Teams sind wesentlicher Bestandteil dieses Projektes. Sie sehen meine Damen und Herren es tut sich einiges in der Region!Mit den beiden tollen ambulanten Projekten, den Bemühungen der Träger im stationären Bereich hätten wir die Chance wirklich bundesweit eine Modellregion Dementenbetreuung zu werden und zukunftsfähige und finanzierbare Strukturen zu schaffen.

Es darf nicht sein, dass nach Ablauf der Projektphasen Demenzkranke und ihre Angehörigen wieder alleine gelassen und enttäuscht werden. Wir benötigen eine gesicherte Finanzierung –und dies ist natürlich ein Appell an die Kommune, das Land und die Kostenträger rechtzeitig eine Regelfinanzierung trotz der schwierigen Finanzsituation auf die Beine zu stellen.Dies ist darüber hinaus auch ein Gebot der Vernunft. Alle einschlägigen Studien belegen, dass nur ein Sorgenetzwerk mit Schwerpunkt auf der ambulanten Pflege, Einbeziehung von Angehörigen und Ehrenamtlichen langfristig auch finanzierbar ist. Ich möchte nicht  wie Frau Gemkov CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Enquète-Kommission zur Situation und Zukunft der Pflege in NRW“ von einem drohenden Super-GAU in der Pflege sprechen.Dazu braucht es nicht  nur Geld. Es ist Fantasie gefragt neue Wege zu beschreiten.  Dazu gehört Mu, die Pflege zu entbürokratisieren  und die Bereitschaft sektorales Denken zu Gunsten kooperativer Aktivitäten zu überwinden.

Doch müssen wir heute beginnen, diese neuen Strukturen zu schaffen und zu sichern, damit wir angesichts der demografischen Entwicklung auch noch in 7- 10 Jahren unseren Ansprüchen  auf eine menschenwürdige Pflege gerecht werden können.

Im letzten Jahr schloss ich meine Ansprache mit den Worten: Die Würde des Starken ist der Schutz des Schwachen! Heute ergänze ich: Wenn es uns gelingt, uns um die Schwächsten zu kümmern, bleibt genug übrig für die weniger Schwachen und gewinnen werden wir alle!